Josef Ganz im Maikäfer-Prototyp, 1931
„Der Wagen […] beweist, dass es unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist, ein extrem leichtes Fahrzeug mit guter Strassenlage und Federung zu bauen — etwas, das bisher von praktisch allen als utopisch angesehen wurde."
Im Dezember 1930 wurde Josef Ganz die Stelle eines technischen Beraters bei der Automobilfabrik Adler in Frankfurt am Main angeboten. Eines seiner Hauptprojekte für das neue Jahr war der Bau eines neuen Volkswagen-Prototyps. Wie schon beim früheren Ardie-Ganz-Prototyp verwendete er ein gerades Stahlrohr als tragendes Element des Zentralrohrrahmens, an dem die vollständig unabhängige Vorder- und Hinterradaufhängung montiert war. Ein mittig eingebauter Zweitakt-Einzylinder-Motorradmotor mit 200 cm³ trieb die hinteren Pendelachsen über eine Kette an.
Der neue Prototyp wurde im Mai 1931 fertiggestellt und von Josef Ganz liebevoll Maikäfer getauft. Die revolutionäre Fahrwerkskonstruktion erhielt eine niedrig gehaltene, aber konventionell wirkende offene zweisitzige Stahlkarosserie — sogar mit einem Attrappen-Kühler. Ganz war überzeugt, dass der neue Volkswagen zunächst mit einer „offenen Karosserie, kaum von der Norm abweichend und ansprechend gefällig" auf den Markt gebracht werden sollte. In ein bis zwei Jahren, sobald sich das erste Modell „etabliert und durchgesetzt" habe, könne dann eine geschlossene Variante mit „idealer Stromlinienform" folgen.
Josef Ganz am Steuer des Maikäfers gemeinsam mit dem Stromlinien-Pionier Paul Jaray, 1931
Erhaltenes Fahrzeug
Erstaunlicherweise existiert der originale Maikäfer-Prototyp bis heute. Er wurde in den 1990er-Jahren vom Maybach-Sammler Graf Michael Wolff Metternich restauriert und befindet sich heute im Besitz des Central Garage Automuseums in Bad Homburg, Deutschland.
Prototyp in Bewegung
Eine seltene Filmaufnahme, die Josef Ganz beim Fahren des Maikäfer-Prototyps durch die Strassen von Frankfurt zeigt — mit einer Demonstration von Fahrverhalten, Federung und kompakter Bauweise, einschliesslich des Überfahrens von Bordsteinen und der Durchfahrt unter einem Lastwagen.