Restaurierung des
Standard Superior 1933

Ein Meilenstein der Automobilgeschichte wird neu erschaffen — das Fahrzeug, das Josef Ganz 1933 auf der Berliner Automobilausstellung präsentierte, in Anwesenheit von Hitler.

Standard-Superior-Restaurierungsprojekt

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Wir danken den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern unseres Indiegogo-Crowdfunding-Projekts zur Restaurierung des Standard Superior Typ 1 von 1933! Innerhalb des von Indiegogo vorgegebenen Zeitrahmens konnten wir 14.247 € — 32 % unseres Ziels — sammeln. Zusammen mit weiteren Spenden und Fördermitteln war es uns möglich, unser ehrgeiziges Vorhaben umzusetzen. Der Standard Superior von 1933 ist heute nahezu vollständig fertiggestellt; nur einige Details fehlen noch.

Standard Superior Typ 1 mit restaurierter Karosserie
Standard Superior Typ 1 mit restaurierter Karosserie
Standard Superior Typ 1 mit restaurierter Karosserie
Standard Superior Typ 1 mit restaurierter Karosserie

Beginn der Restaurierung

Im Herbst 2017 lernten wir die Firma Mebero s.r.l., Dr. A. Bilciurescu in Cluj, Rumänien kennen — ein hochprofessioneller Restaurierungsbetrieb, der für viele internationale Kunden, darunter Automuseen, arbeitet. Das Unternehmen unterbreitete uns ein sehr gutes Angebot zur vollständigen Restaurierung unseres Standard Superior von 1933 zu einem äusserst attraktiven Preis. Wir nahmen das Angebot an und begannen die Restaurierung offiziell im September 2017. Neben der Unterstützung durch Firma Mebero s.r.l. in Cluj, Rumänien, hilft uns das niederländische Unternehmen Jacobs NCI, indem es Originalteile und Details des Fahrzeugs unentgeltlich verchromt.

Ein Meilenstein der Automobilgeschichte

1933 stellte der jüdische Ingenieur Josef Ganz auf der Berliner Automobilausstellung in Anwesenheit Hitlers einen revolutionären „Volkswagen" vor. Fünf Jahre später präsentierte Hitler dem deutschen Volk den KdF-Volkswagen, während Ganz aus der Geschichte getilgt wurde. Unser Ziel ist es, Ganz’ ursprünglichen „Volkswagen" von 1933 — den Standard Superior Typ 1 — wiederaufzubauen und ihm seine wohlverdiente Stellung in der Automobilgeschichte zurückzugeben. Wir besitzen das einzige erhaltene Fahrzeug, brauchen aber Ihre Hilfe, um seine ursprüngliche „Käfer"-Form wiederherzustellen:

Standard Superior Broschüre, 1933
  • Der niederländische Journalist und Autor Paul Schilperoord lernte Lorenz Schmid, einen in der Schweiz geborenen Verwandten von Josef Ganz, während seiner Recherchen für die Biografie kennen — und gemeinsam erwarben wir den Standard Superior.
  • Unser Fahrzeug verfügt über das einzige vollständig erhaltene rollende Fahrgestell des Standard Superior Typ 1 — schätzungsweise 250 Fahrzeuge wurden zwischen April und September 1933 gebaut. (Auf dieses Modell folgte der Typ 2 mit anderer Karosserieform.)
  • Ziel unserer Kampagne ist es, Mittel für den Wiederaufbau der ursprünglichen käferförmigen Karosserie auf diesem Fahrgestell aufzubringen — in Zusammenarbeit mit professionellen Restauratoren.

Unsere Ziele und Pläne

Wenn wir erfolgreich sind, soll der restaurierte Standard Superior künftig auf internationalen Ausstellungen und Veranstaltungen eingesetzt werden, um das Werk von Josef Ganz (1898–1967) bekannter zu machen.

Unser Plan zur Wiederherstellung der Käferform

Unser Fahrzeug hat auf wundersame Weise überlebt, weil es jahrzehntelang in der DDR im Strassenverkehr eingesetzt wurde. Fahrgestell und Antriebsstrang sind vollständig original — einschliesslich Räder und Kotflügel —, doch die Karosserie wurde grösstenteils mit Teilen eines Trabant P50 verändert:

  • Schritt 1: Die bestehende Karosserie wird vom Fahrgestell entfernt und die Originalteile (Fahrgestell, Räder, Kotflügel) werden gereinigt oder restauriert.
  • Schritt 2: Die hölzerne Karosserie wird von einem Holzfachmann anhand zahlreicher Originalfotos aus den Josef-Ganz-Archiven rekonstruiert; angeschlossene Partner bringen die Kunstlederbespannung an, übernehmen Lackierung sowie Einbau von Fenstern und Innenausstattung.
  • Schritt 3: Fehlende Teile auffinden und einbauen — etwa Originalleuchten, Lenkrad, Armaturentafelschalter, Türgriffe, Kühler usw.

Der Standard Superior in der Volkswagen-Geschichte

Der Standard Superior ist die Verkörperung der Propagandakampagne von Josef Ganz „Für den deutschen Volkswagen". Als Chefredakteur der Zeitschrift Motor-Kritik umriss er die Anforderungen an dieses Fahrzeug der Zukunft: niedrig liegend, stromlinienförmig, Zentralrohrrahmen, Heckmotor, vollständig unabhängige Radaufhängung mit Pendelachsen — und ein Preis von höchstens 1.000 Reichsmark.

Ganz baute zunächst zwei Prototypen: den Ardie-Ganz von 1930 und den Adler Maikäfer von 1931. Als Technologieträger inspirierte der Maikäfer (siehe Video oben — mit Josef Ganz am Steuer!) die Industrie zur Entwicklung radikaler neuer Prototypen — darunter den Mercedes-Benz 120, den Tatra V570, den Zündapp Typ 12 „Volksauto" von Ferdinand Porsche und den Standard Superior auf Grundlage der Patente von Josef Ganz.

Ausstellungsmodell Standard Superior neben dem Zündapp Typ 12 auf der IAMA 1933 in Berlin
Ausstellungsmodell Standard Superior (links) neben dem Zündapp Typ 12 „Volksauto"-Prototyp von Ferdinand Porsche (rechts) vor der IAMA 1933 in Berlin.

Zum Zeitpunkt seiner Vorstellung auf der Berliner Automobilausstellung 1933 war der Standard Superior das einzige in Serie gebaute vierrädrige Fahrzeug mit Heckmotor. Auf der Messe fiel der Superior Hitler auf — und wurde von der Presse gefeiert:

  • „Auf 4 Rädern fährt der Höhepunkt der Ausstellung […] Heckmotor = die Zukunft" — Die Neue Stadt
  • „Der fortschrittlichste Wagen trotz seiner kleinen Abmessungen" — Motor und Sport
  • „Der von Ganz konzipierte Standard Superior hat sich als ausserordentlich erfolgreich erwiesen […] und wird aller Wahrscheinlichkeit nach zur Einführung grösserer Modelle mit Heckmotor führen." — ADAC-Motorwelt
Standard Superior Fahrgestell, 1933

Ein Journalist von The Detroit News kam zu dem Schluss: „Wie auch immer sich diese Art von Automobil in Deutschland weiterentwickeln mag, ohne Zweifel wird die Hitler-Regierung für ihre Verbreitung verantwortlich sein." Hitler sollte den „Volkswagen" tatsächlich populär machen — doch selbst der hellsichtigste Journalist hätte nicht voraussehen können, dass er dabei den visionären jüdischen Ingenieur Josef Ganz bewusst aus der Geschichte tilgen würde.

Josef Ganz in den 1960er-Jahren

Risiken & Herausforderungen

Unsere grössten Herausforderungen bestehen darin, dass keine technischen Zeichnungen für den Standard Superior Typ 1 bekannt sind — und dass wir eine Reihe von Originalteilen für ein Fahrzeug auftreiben müssen, das 1933 nur in sehr geringer Stückzahl gebaut wurde:

  • Wir planen die Zusammenarbeit mit Spezialistinnen und Spezialisten, um die ursprüngliche Karosserieform anhand zeitgenössischer Fotografien und eines erhaltenen originalen Standard Superior Typ 2 nachzubilden. Dieses Fahrzeug hat eine andere Karosserieform, aber eine ähnliche Gesamtkonstruktion.
  • Mehrere der gesuchten Originalteile sind elektrische Komponenten. Standard verbaute ausschliesslich Bosch-Teile — Bosch war zur damaligen Zeit bereits ein etabliertes Unternehmen.
  • Wir besuchen regelmässig spezialisierte Veranstaltungen für Vorkriegsfahrzeuge, etwa die VETERAMA, um nach fehlenden Teilen zu suchen.