Prototyp

Rapid „Schweizer Volkswagen“

Rapid Schweizer Volkswagen

Nach seiner Flucht aus Nazi-Deutschland liess sich Josef Ganz im Sommer 1935 schliesslich in der Schweiz nieder. Hier führte er Vertretern des Bundesamts für Arbeit seinen Maikäfer-Prototyp und einen Standard Superior vor. Diese reagierten begeistert: Der Maikäfer verfüge über „erstaunlich gute Strassenlage und eine bemerkenswerte Geländegängigkeit", und sie beschlossen, Möglichkeiten für die Produktion eines solchen Fahrzeugs in der Schweiz zu prüfen.

Im Oktober 1936 wurde ein Vertrag über die Entwicklung eines Volkswagens nach den Schweizer Patenten von Josef Ganz unterzeichnet. Nach mehreren Monaten Konstruktionsarbeit wurden im Verlauf des Jahres 1937 drei Prototypen bei Motosacoche in Genf gebaut. Anfangs nutzten sie ein Standard-Superior-Fahrgestell mit dessen ursprünglichem Zweizylindermotor. Ein zweites Prototyp-Fahrgestell erhielt einen kleineren Einzylinder-Zweitaktmotor mit 350 cm³. Der Schweizer Volkswagen verfügte über einen Zentralrohrrahmen, bei dem Motor und Getriebe unmittelbar vor den angetriebenen hinteren Pendelachsen angeordnet waren.

Prototyp-Fahrgestell des Schweizer Volkswagens, 1937
Prototyp-Fahrgestell des Schweizer Volkswagens, 1937

Der Schweizer Volkswagen-Prototyp besass eine stromlinienförmige Cabriolet-Karosserie mit zwei Sitzen und ähnelte stark dem ursprünglichen Ganz-Entwurf von 1923. Die gesamte hintere Schale, die Hinterräder, Motorraum und Reserverad abdeckte, liess sich nach oben aufklappen. Ganz hatte sich bewusst für einen offenen Zweisitzer entschieden, weil er am günstigsten zu bauen war. Er war überzeugt, dass es einen Markt für einen grösseren, geschlossenen Viersitzer gebe, dieser jedoch 30 Prozent teurer wäre — und damit 90 Prozent der potenziellen Käufer verlieren würde.

Josef Ganz bei der Probefahrt mit einem der Schweizer Volkswagen-Prototypen
Josef Ganz bei der Probefahrt mit einem der Schweizer Volkswagen-Prototypen

Josef Ganz unternahm mit grosser Freude umfangreiche Probefahrten mit den Schweizer Volkswagen-Prototypen. Im Oktober 1938 wurde mit einem der Prototypen eine gründliche sechstägige Probefahrt durch die ganze Schweiz durchgeführt. Der Abschlussbericht kam zu dem Ergebnis, dass die Probefahrt — abgesehen von einigen kleineren Problemen — „glänzend" verlaufen sei. Einer Produktion stand offenbar nichts mehr im Wege, und die Rapid Motormäher AG, eine Herstellerin motorisierter Landmaschinen, wurde mit dem Bau von zwanzig bis vierzig Vorserienfahrzeugen beauftragt.

Während Pläne für eine Produktion in der Schweiz sowie für eine Lizenzfertigung in Polen und Frankreich ausgearbeitet wurden, brach der Krieg aus. In den folgenden fünf Jahren wurden alle Pläne auf Eis gelegt, und Josef Ganz entging nur knapp entweder der Internierung in einem Arbeitslager für Einwanderer oder der Auslieferung an die deutschen Behörden. Nach dem Zweiten Weltkrieg fertigte Rapid tatsächlich rund 40 Vorserienfahrzeuge, eine grössere Serie kam jedoch nie zustande.

Vorserienmodell des Schweizer Volkswagens, gebaut von Rapid, 1946
Vorserienmodell des Schweizer Volkswagens, gebaut von Rapid, 1946

Erhaltene Fahrzeuge

Soweit heute bekannt, existieren noch drei Fahrzeuge aus der Vorserie des Schweizer Volkswagens von Rapid. Ein unrestauriertes Fahrzeug ist dauerhaft im Louwman Museum in den Niederlanden ausgestellt, ein restauriertes Exemplar steht permanent im Verkehrshaus Luzern in der Schweiz, und ein weiteres Fahrzeug befindet sich offenbar im Besitz eines Sammlers in Indien — sein genauer Verbleib ist jedoch unklar.

Rapid Schweizer Volkswagen von 1946 im Besitz des Louwman Museums
Rapid „Schweizer Volkswagen" von 1946 im Besitz des Louwman Museums
Rapid Schweizer Volkswagen von 1947 im Besitz des Verkehrshaus Luzern
Rapid „Schweizer Volkswagen" von 1947 im Besitz des Verkehrshaus Luzern
Geheimnisvoller Rapid Schweizer Volkswagen irgendwo in Indien
Geheimnisvoller Rapid „Schweizer Volkswagen" irgendwo in Indien

Kunstwerk

Der guatemaltekisch-schweizerische Maler Hugo Godinez Solórzano hat ein eindrucksvolles Ölgemälde im Format 95 × 70 cm geschaffen, das Josef Ganz im aluminiumbeplankten Silberfisch zeigt — einem der Vorkriegs-Prototypen des „Schweizer Volkswagens".

Gemälde von Josef Ganz im Silberfisch von Hugo Godinez Solórzano
Gemälde von Josef Ganz im Silberfisch vom guatemaltekisch-schweizerischen Maler Hugo Godinez Solórzano