Im September 1933 stellte die Standard Fahrzeugfabrik gemeinsam mit dem überarbeiteten Superior auch den Standard Merkur Schnell-Lastwagen vor. Der Merkur basierte auf einem verlängerten und verstärkten Superior-Fahrgestell und war wahlweise mit einem 400- oder 500-cm³-Zweizylinder-Zweitaktmotor erhältlich. Anders als der Superior verfügte der Merkur jedoch über ein Differential an der Hinterachse und eine Wasserkühlung mit Pumpe.
Der Standard Merkur Schnell-Lastwagen war als Pritschenwagen oder als leichter Kastenwagen erhältlich, darunter auch eine Variante als Krankenwagen. Die Gestaltung der Fahrzeugfront und der zweisitzigen Kabine war direkt vom neuen Personenwagen Standard Superior abgeleitet.
Um die Produktion des neuen Superior und Merkur — neben der bestehenden Motorrad-Baureihe und dem dreirädrigen Leicht-Lastwagen Progress — unterzubringen, zog die Standard Fahrzeugfabrik im Oktober 1933 von Ludwigsburg in eine neue Fabrik nach Stuttgart-Feuerbach um. Etwa zur selben Zeit wurde in Berlin eine neue Verkaufsniederlassung von Standard mit Ausstellungsraum, Werkstatt und Ersatzteillager eröffnet.
Im März 1934 war der Merkur neben dem Superior auf der Internationalen Automobil- und Motorradausstellung (IAMA) in Berlin zu sehen. Der Standard Merkur Schnell-Lastwagen wurde nun in zwei Versionen angeboten:
- Merkur-Eintonner mit einer Nutzlast von 1.000 kg, Radstand 2.650 mm, B × L × H = 1.400 × 4.100 × 1.400 mm
- Merkur-15 mit einer Nutzlast von 750 kg, Radstand 2.500 mm, B × L × H = 1.400 × 4.000 × 1.400 mm
1935 hatte Standard neben dem Merkur zwei neue Leicht-Lastwagen-Modelle eingeführt. Eines war als Dreirad in den Varianten P203 (200-cm³-Motor) und P503 (500-cm³-Motor) erhältlich, das zweite als Vierrad in den Varianten H204 (200-cm³-Motor) und H504 (500-cm³-Motor). Diese Lastwagen verfügten über eine andere Fahrgestellkonstruktion, die nicht mehr auf den Patenten von Josef Ganz beruhte — so konnte ihre Produktion durch die Patentstreitigkeiten mit Tatra nicht gefährdet werden. (siehe Seite zum Standard Superior)
Erhaltene Fahrzeuge
Der Merkur wurde von 1933 bis 1936 in verschiedenen Varianten gebaut, doch es ist kein erhaltenes Exemplar bekannt.