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Wie alles begann

Archiv 14. April 2019
Wie alles begann

Dies ist der erste Beitrag des Blogs von Lorenz Schmid auf josefganz.org. Zusammen mit dem Autor Paul Schilperoord ist Schmid einer der Inhaber dieser Website und ein Verwandter von Josef Ganz. Mehr über Lorenz erfahren Sie am Ende dieser Seite.

Der erste Artikel, den ich über Paul Schilperoords Recherchen sah (Tagesanzeiger) und der mein Josef-Ganz-Abenteuer in Gang setzte!

Kürzlich wurde der Filmtrailer der Dokumentation über Josef Ganz veröffentlicht, und bald reise ich mit meinem Vater nach Den Haag zur offiziellen Filmpremiere und Präsentation des restaurierten Standard Superior Type 1. Viele meiner Freunde, die den Trailer gesehen haben, fragten mich nach meiner Verbindung zur Geschichte. Das hat mich motiviert, darüber zu schreiben und zu erklären, wie alles begann!

Karte von meiner Grossmutter

Im Jahr 2005 besuchte ich ein Familientreffen, das die Familie Ganz etwa alle 5 Jahre organisiert. Es war zwar schön, diese grosse Familie wiederzusehen, doch ich kannte meine Verwandten eigentlich nicht besonders gut. Als Jürg, ein Cousin meines Vaters, eine kleine Rede hielt, zeigte er ganz am Schluss einen Artikel der Schweizer Zeitung „Tagesanzeiger“ über einen unserer Verwandten, der 1967 in Australien verstorben war: den Autoingenieur und Journalisten Josef Ganz. Ich erinnerte mich, dass meine Grossmutter einmal kurz erwähnt hatte, einer ihrer Cousins habe mit Ferdinand Porsche zusammengearbeitet. Leider war ich in jenem Alter zu jung, um zu verstehen, was das wirklich bedeutete. Nach Jürgs Rede ging ich, um mir den Zeitungsartikel im Detail anzusehen. Als Autoenthusiast und Chefredaktor einer Modellauto-Zeitschrift war ich von der Geschichte sehr angetan, obwohl ich annahm, es handele sich um einen sehr alten Artikel. Wie sehr ich mich da irrte: Er war erst wenige Monate zuvor erschienen, im März 2005, wenn ich mich richtig erinnere! Ich sah, dass er auf den Recherchen des niederländischen Journalisten Paul Schilperoord beruhte.

Mein Brief an die Familie

Wieder zu Hause begann ich sofort, nach Paul Schilperoord zu recherchieren. Ich stellte ihn mir als sehr alten Journalisten vor, der gerade einen seiner letzten Artikel veröffentlicht hatte. Ich fand heraus, dass Schilperoord auch für eine Technikzeitschrift schrieb, und kontaktierte den Chefredaktor, um Pauls Kontaktdaten zu erfragen. Schnell kam eine Antwort mit Pauls E-Mail-Adresse. Nachdem ich ihm geschrieben hatte, war für mich klar, dass ich ihn in Den Haag besuchen musste, und ich motivierte meinen Vater mitzukommen. Noch im selben Jahr verwirklichten wir diese Reise! Wie sehr hatte ich mich in Paul Schilperoord getäuscht: Er war in meinem Alter! Und was wir in seiner Wohnung sahen, war einfach überwältigend: Er zeigte uns mehr Familienbilder, als wir je zuvor gesehen hatten. Mein Vater erkannte Bilder seiner Grosseltern, seiner Onkel und Cousins. Es war fantastisch! Auch die Menge an Mikrofilmen und Dokumenten war einfach umwerfend, und ich nahm einige der Dokumente mit nach Hause, die mir am eindrücklichsten erschienen (siehe Fotografien).

Seither entstand eine grosse Freundschaft zwischen Paul und mir. Während ich versuchte, ihm bei seinen Recherchen zu helfen, wo immer ich konnte, lernte ich auch viel mehr über meine eigene Familie. Ich schrieb an viele Familienmitglieder und traf auch die meisten Cousins meines Vaters, um herauszufinden, was sie noch über Josef „Seppl“ Ganz wussten. Es war eine sehr schöne Art, auch mehr über meine Vergangenheit zu erfahren! Ich traf den Chefredaktor der Automobil Revue, eines renommierten Schweizer Automagazins. Paul und ich trafen uns immer wieder auf der ganzen Welt, besuchten gemeinsam Archive oder Unternehmen wie Rapid (Hersteller des „Schweizer Volkswagens“). Es war ein wahres und einzigartiges Abenteuer! Doch richtig verrückt wurde es, als ich ein Familienmitglied fand, das glaubte, ganz allein in der Schweiz zu sein … mehr dazu in meinem nächsten Beitrag!

Maikäfer 'Volkswagen'-Prototyp von 1931 von Josef Ganz

Nach fast 15 Jahren also – nach der Veröffentlichung von Pauls Buch, das in 3 Sprachen übersetzt wurde, nach der Restauration von 2 Wagen Josef Ganz’, nach Ausstellungen in Wolfsburg und in der Schweiz – werde ich mit meinem Vater wieder nach Den Haag reisen können, wo dieses Abenteuer begann, und die Premiere der so lang ersehnten Dokumentation über Seppls Leben geniessen: „Ganz: How I lost my Beetle“ – ich könnte nicht aufgeregter sein!

Ich freue mich sehr zu erfahren, was Sie über diesen ersten „Blog“-Beitrag denken – darum habe ich die Kommentarfunktion eingeschaltet! Schicken Sie mir gerne Ihr Feedback oder Ihre Gedanken zu Josef Ganz und der Dokumentation.