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Besuch in Josef Ganz’ ehemaligem Wohnhaus in St Kilda

Archiv 15. Juli 2015

1961 zog Josef Ganz in eine kleine Wohnung in den Edgewater Towers, Melbournes erstem grossflächigen modernistischen Apartmenthaus, direkt am Strand des Vororts St Kilda. Am Samstag, dem 25. Juli, wird das Gebäude im Rahmen von Open House Melbourne der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Edgewater Towers wurden vom in der Türkei geborenen jüdischen Architekten Mordechai Benshemesh (1911–1993) entworfen. Er und seine Frau Herma freundeten sich in den 1950er-Jahren mit Josef Ganz an. Als Mordechai die Edgewater Towers entwarf, bezahlte ihn der Bauträger nicht in bar, sondern überliess ihm das Eigentum an mehreren Wohnungen. Eine davon mietete Josef Ganz mit seiner Lebensgefährtin Heta Jacobson.

Prospekt der Edgewater Towers, 1960er-Jahre
Prospekt der Edgewater Towers, 1960er-Jahre

Einige Jahre später, als die Benshemeshs Geld brauchten, verkauften sie alle Wohnungen ausser jener, in der Josef und Heta lebten. Mordechai und Herma Benshemesh waren sich Josef Ganz’ schwieriger finanzieller Lage bewusst und wollten ihm einen Umzug ersparen. Dank dieser Geste der Freundlichkeit konnte Josef Ganz bis zu seinem Tod am 26. Juli 1967 in den Edgewater Towers wohnen bleiben.

Herma Benshemesh erinnerte sich an Josef Ganz als einen sanften, freundlichen und kultivierten Menschen. Er erzählte ihr seine Geschichte zur Volkswagen-Entwicklung im Deutschland der 1920er- und 1930er-Jahre — die sie zunächst kaum glauben konnte. Sie erinnerte sich, dass Josef Ganz wegen seiner Arbeit in Deutschland fürchtete, dass jemand ihm etwas antun könnte. Leider verstarb Herma Benshemesh im März 2014.