Beitrag

Josef Ganz in «10vor10» auf SRF

Archiv 10. September 2020
Der Maikäfer von 1931 auf der Bühne im Verkehrshaus der Schweiz, 12. September 2020
Der Maikäfer von 1931 auf der Bühne im Verkehrshaus der Schweiz, 12. September 2020

Am 10. September 2020, zwei Tage vor dem Filmabend im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern, stellte das Nachrichtenmagazin 10vor10 auf SRF Josef Ganz als vergessenen Erfinder des VW Käfers vor. Den Beitrag auf Play SRF ansehen.

„Einfach gelöscht aus der Geschichte“

Im begleitenden Artikel auf srf.ch, „Wegbereiter des Kleinwagens – Der Jude hinter dem «Volkswagen» der Nationalsozialisten“, zeichnet Christian Schürer den Weg von Ganz nach: 1898 in Budapest geboren, 1931 der Maikäfer, mit dem er es sogar in die deutsche Wochenschau schaffte, und 1933 der Standard Superior, beworben als „deutscher Volkswagen“ und von Hitler an der Berliner Automobilausstellung besichtigt. Nach seiner Verhaftung durch die Gestapo floh Ganz in die Schweiz und entwickelte hier für Rapid in Dietikon einen Kleinwagen.

Lorenz Schmid, dessen Grossmutter eine Cousine von Josef Ganz war, sagte gegenüber SRF, Ganz habe in den 1930er-Jahren in Deutschland extrem viel geleistet: „Doch er ist einfach gelöscht worden aus der Geschichte.“ Viele Merkmale des VW Käfers seien laut Schmid bereits in den Kleinwagen von Ganz angelegt gewesen.

Die Sicht eines Historikers: „Die Idee eines Kleinwagens hat viele geistige Väter“

SRF befragte auch Wolfram Pyta, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart (Interview auf srf.ch). Pyta zählt Ganz zu den Wegbereitern und Avantgardisten des Kleinwagens: Ingenieur und Journalist zugleich, der eine eigene Zeitschrift führte, die Motor-Kritik, eigene Patente entwickelte und seine Ideen „fast wie ein Missionar“ propagierte. „Wenn man gewissermassen eine Ideengeschichte des Kleinwagens schreiben würde, dann würde Josef Ganz ganz vorne stehen“, sagt Pyta – doch von der Idee bis zum serienreifen Fabrikat sei es „noch eine gewaltige Strecke“.

Laut Pyta zeigen die Quellen keinen intensiven Austausch zwischen Ganz und Ferdinand Porsche, der seit 1931 unabhängig an Kleinwagen arbeitete und 1934 den Auftrag für den Volkswagen erhielt – mit dem Verband der Autoindustrie als Geldgeber und Hitler als politischem Protektor. Ganz dagegen war ein Einzelkämpfer, ohne Büro und ohne Experten im Rücken.

Schon 2015 auf SRF: „Ein bewusster Akt“

Bereits im Dezember 2015 sprach Radio SRF 2 Kultur mit dem Biografen Paul Schilperoord („Wie Hitler den jüdischen Erfinder des VW Käfer bekämpfte“). „Es ist schwierig zu sagen, dass es einen einzigen Erfinder gibt. Denn viele Menschen waren am Volkswagen-Projekt beteiligt“, sagte Schilperoord. „Aber Josef Ganz legte den Grundstein für den VW Käfer, indem er das Design und das Konzept des Prototyps entwickelt hat.“ Dass Ganz vergessen ging, habe einen einfachen Grund: Hitler verbot alle Veröffentlichungen von Josef Ganz – „ein bewusster Akt, um jegliche jüdische Verbindung mit dem Volkswagen loszuwerden“.

Die Dokumente zur Rolle von Josef Ganz sind auf credibility.josefganz.org gesammelt. Mehr zum Abend in Luzern: Filmevent im Verkehrshaus der Schweiz und Und es geht weiter und weiter!